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Israel 2019

Knapp eine Woche nachdem unsere israelischen Freunde nachhause geflogen waren, ging es auch für uns (endlich!) nach Israel. Sieben bunte Tage voller Kreativität, Nachhaltigkeit und Kultur hatten wir schon gemeinsam in Köln erlebt und nun freuten wir uns auf den bevorstehenden Gegenbesuch.
Israel- Falafel, Hummus, Sonne und Strand. Assoziationen, die gar nicht so falsch sind, aber die beeindruckende Kultur und das einzigartige Land, die wir kennenlernen durften, nicht im Geringsten ausreichend beschreiben. Aber fangen wir ganz zu Beginn an. Seit Beginn des Schuljahres bereiteten wir uns gemeinsam mit unseren Lehrern auf den Austausch vor. Unsere Austauschpartner hatten wir auch schon kennengelernt und trotzdem konnten wir es nicht glauben als wir dann alle 17 in Köln ins Flugzeug stiegen. Gegen Mitternacht hatten wir den Reisestress hinter uns und wurden von unseren Gastfamilien und den israelischen Lehrern freudig empfangen. Am nächsten Tag erwartete uns schon der gemeinsame Überraschungs-Workshop unter dem Thema Nachhaltigkeit. Bei schönstem Wetter und Sonnenschein kamen wir in der Ironi Tet High School an, wo wir alle anderen und die Workshopleiterin trafen. Für unser Projekt hatten wir leere Plastikflaschen mitgebracht, die nun „upgecycled“ und umfunktioniert werden sollten. Wir haben sie zerschnitten und bunt besprüht haben wir sie an den Zaun vor der Schule befestigt. Erde rein, Bohnen- und Blumensamen eingepflanzt, gegossen und fertig waren die alternativen hängenden Blumentöpfe. Nachdem uns die Schüler und Lehrer versprochen haben, die Pflanzen regelmäßig zu gießen, wartete ein landestypisches Mittagessen auf uns. Bei Falafel, Hummus, Salat und Pita kamen wir alle ins Gespräch, wobei das Englisch von ganz selbst wiederkam. Da sich in Israel die Woche nach dem Judentum richtet, ist das Wochenende am Freitag und Samstag. Einige von uns Deutschen haben so das erste Mal mit ihren Familien ein traditionelles Schabbat Essen am Freitagabend miterlebt. Der nächste Tag war zu unserer freien Verfügung in den Familien. Ein Teil der Gruppe war gemeinsam in der Stadt unterwegs. Vom neuen Hafen aus sind wir am Meer entlang in den ältesten Teil Tel Avivs, Jaffa, gelaufen. Der Übergang zwischen einer breiten modernen Strandpromenade mit Palmen und den kleinen alten Gassen in „Yafo“, wie es auf Hebräisch heißt, war sehr beeindruckend. Neben riesigen modernen Hotels und Bürogebäuden sind alte kleine Wohnhäuser und heruntergekommene Hochhäuser. Nicht nur Synagogen, sondern auch Moscheen und Kirchen haben wir in der Stadt verteilt gesehen. Am Abend lud eine der Gastfamilien alle zu einem Barbecue auf der Dachterrasse ein. Es war ein sehr netter und gemütlicher Abend bei dem viel gelacht und gesungen wurde und die Sicht auf das nächtliche Tel Aviv war wirklich unglaublich.
Nach dem für uns „verschobenen“ Wochenende haben wir am Sonntagvormittag unsere Austauschschüler in die Schule begleitet. Da die meisten von uns kein Hebräisch sprechen, konnten wir aus dem Unterricht nicht viel mitnehmen. Dennoch war es interessant zu sehen, wie das Schulsystem in Israel aufgebaut ist und wie eng das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern dort ist. Nach einer Schul-Rallye für die Deutschen und Unterricht für die Israelis, sind wir alle gemeinsam zu unserem nächsten Projekt gestartet. Um unsere Umwelt sauberer und schöner zu gestalten, haben wir in Teams Müll am Strand aufgesammelt und eine Challenge daraus gemacht. Hierbei ging es sozusagen um eine Art sonnige Revanche (in Köln gab es das Pendant dazu im Stadtgarten). Am Ende waren wir alle ziemlich geschafft von der Sonne und der Mittagshitze, aber der Gedanke die Welt ein kleines bisschen besser gemacht zu haben zählte! Schön war auch zu sehen, wie positiv und dankbar alle Strandbesucher, sowohl Einheimische als auch Touristen, auf unsere Aktion reagierten. Auch sonst waren viele Menschen sehr interessiert, als sie von unserer deutsch-israelischen Partnerschaft hörten. Den freien Abend nutzen viele, um durch die Stadt zu schlendern oder in einem der vielen kleinen Restaurants oder einer Bäckerei die eine oder andere leckere Spezialität zu probieren. Am Montag gab es dann eine ausführliche Stadtführung durch Tel Aviv, wo uns unser Guide etwas über die Entwicklung der Stadt und berühmte Menschen, wie Ben-Gurion, der erste Ministerpräsident des modernen Staates Israel. Neben modernen Bürogebäuden, die nicht selten etwas mit der IT-Branche zu tun haben, haben wir viele kleine schöne und überraschende Ecken der Stadt entdeckt. So zum Beispiel ein Boulevard an dem eine Villa schöner als die andere war. Das bunte „Hipster Viertel“ Florentin war voller Graffitis und politischen oder philosophischen Sprüchen an den Wänden und Mauern. Für viele war eine echte Hummus Bar in der Pause ein Muss, aber auch auf den Straßenmärkten in der Umgebung gab es reichlich leckere Sachen und kulinarische Souvenirs.
Wie man in Deutschland unschwer mitbekommen hat, fanden zu der Zeit in Israel die Präsidentschaftswahlen statt. Damit es allen Israelis möglich ist zum Wahllokal zu gehen, war der Dienstag ein offizieller Feiertag. Während sich viele unserer Freunde und Familien in Köln Sorgen machten, dass es Ausschreitungen, bei der ohnehin schon „heiklen Lage“, geben würde, konnten wir einen weiteren wunderschönen warmen und entspannten Tag genießen. Wie die meisten Israelis, waren auch wir mit unseren Austauschfamilien teilweise alle zusammen am Strand, in einem der schönen Parks oder in der Natur unterwegs.

Ein kurzer Exkurs zu den Parks in Tel Aviv und dem Stadtbild, da das Thema des Austausches ohnehin Nachhaltigkeit ist. Die E-Roller, die im Moment auch in Deutschland im Kommen bzw. in der Diskussion sind, waren dort an jeder freien Stelle zu sehen. Fahrradwege waren so gut wie überall perfekt ausgebaut, sodass man tatsächlich neben Fahrradfahrern und Autos jede Menge Rollerfahrer sehen konnte. Ob das Konzept auch in Deutschland aufgeht? Schwierig zu sagen- dort ist das Modell auf jeden Fall gut etabliert. An der kilometerlangen Strandpromenade sind nicht nur alle paar Meter Bänke und Mülleimer, sondern auch Fitness-Parcours, die von allen Leuten, ob Profisportler oder nicht, dankbar genutzt werden.

An unserem vorletzten Tag stand, für viele das Highlight, Jerusalem auf dem Plan. Wir haben die Gedenkstätte Yad Vashem besucht, was sicherlich vielen im Gedächtnis geblieben ist. Darum ging es auch: sich erinnern, sowohl an die schönen Zeiten, als auch an die schlechten, und nicht vergessen. In Jerusalem selbst haben wir die Grabeskirche, die Klagemauer und den „Souk“, ein aus vielen engen Gassen bestehender überdachter Markt, gesehen. Neben vielen architektonischen Besonderheiten konnten wir auch goldglänzende Kuppel der Moschee von weitem sehen. Auch wenn wir nicht viel Zeit hatten, haben wir uns alle sehr gefreut einmal in der (in jeder Hinsicht) heiligen Stadt gewesen zu sein.

Ein weiteres Highlight folgte am letzten Tag; das Tote Meer. Alleine der Weg dahin, durch wüstenartige Landschaften, war ein Erlebnis an sich. Am Meer angekommen, fühlte man sich wie in einer Oase; Ruhe und im Hintergrund türmte sich eine Bergkette auf. Nach einer super gesunden und wohltuenden Portion Schlamm und viel Sonne wollten wir eigentlich gar nicht mehr ans Nachhause Fahren denken.

Auch wenn wir nur acht Tage in Israel waren und lange nicht alles gesehen haben, konnten wir einen kleinen Einblick in dieses geschichtlich wichtige und kulturell interessante Land gewinnen und Freundschaften auf einem anderen Kontinent schließen. Vielleicht war diese Reise auch nur ein Anfang, denn es gibt sicherlich noch viel zu entdecken und für einige wird es bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein.

Acht Wochen später haben wir ein Foto aus Tel Aviv bekommen: die Sonnenblumen und Bohnen aus unseren selbstgemachten „Blumentöpfen“ blühen und wachsen. Ein kleines Projekt was hoffentlich noch für lange Zeit an unseren gemeinsamen Austausch erinnert.

Marina Radu, Jgst. 11

 

 

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