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Poetry trifft Jugend

Was passiert, wenn sich ein Poetry Slammer vor 120 Schülerinnen und Schüler der Q1 stellt und versucht, sie für Gedichte zu begeistern? Zunächst könnte man annehmen: Das kann nicht gut gehen! Was am Ende dieses Lyriktags am Aschermittwoch in Halle 3 zu hören und zu sehen war, beweist das Gegenteil: Dem Poetry Slammer Rainer Holl ist es gelungen, die Jugendlichen über ihre Themen dichten zu lassen, über Rassismus, die digitale Welt, Gender und Schule. Die wortgewaltigen, berührenden und persönlichen Texte, die auf der Bühne vorgetragen wurden, erstaunten auch die Schülerinnen und Schüler selbst; einige äußerten im Anschluss, sie hätten nicht mit solchen Ergebnissen gerechnet.

Gewonnen haben Emil König mit seinem Text über die verhasste Kohlrabi und Olivia Platz, deren sehr persönlicher Text hier zu lesen ist:

J. Schulz

 

Auch wenn es nicht gewollt ist…

2019! Phew, wir haben es geschafft, liebe Leute!
Wir haben mindestens drei von den Maya vorhergesagte Weltuntergänge überlebt.
Wir haben technologischen Fortschritt,
genauso wie Migration, den Klimawandel und Trump!
… Oh ja… und Rassismus.

Manch einer mag es vielleicht nicht empfinden wie ich,
aber “quite frankly”, du bist nicht ich.

Du lebst nicht in meiner Haut,
du siehst nicht, wie dich der Fremde anschaut.

Du entscheidest dich nicht dazu, mal deine Haare anders zu tragen,
um daraufhin die ständigen Fragen zu ertragen:
“Sind das deine echten Haare? Ich dachte die wären viel kürzer!”

Und dann kommt:
“Darf ich mal anfassen? Ohh, so anders!”
Vielleicht denkt man “Das ist doch ein Kompliment”-Nein, nein das ist es nicht!
Nur für´ne Sekunde versetz dich in meine Sicht.

Pack ich deine Haare an und sage:
“Uhh, so weich, so blond, du hast ja Spaghetti-Haare“?
Pack ich den BMW deines Vaters an?
Bin ich überrascht, dass man in Deutschland mehr als Lederhosen
und Dirndl tragen kann?

Nun stell dir vor, ihr sprecht in einer Gruppe, ihr spaßt, ihr lacht,
bis jemand sagt:
“Ich will ja nicht rassistisch klingen, aber die machen das doch immer!”
Auch wenn niemand zustimmt, lachen alle weiter. Hört auf! Ihr macht es schlimmer!
Kaum einer scherzt über den Geiz der Deutschen,
das könnt ihr nicht leugnen.
Niemand wird mit Nazis verglichen, wenn jemand rassistische Scherze macht,
aber ich bin die Aktivistin, wenn ich sag: “So was wird nicht gemacht!”
Ich will hier nicht die Aktivistin spielen, ich weiß, ich bin kein “Saint”,
aber lasst mich bitte sagen, dass so, wie es heute ist, ist nicht “legit”.

Ich liebe meine Länder. Ja, ich liebe sie beide,
das ist, weshalb ich auf die designierten Titel scheiße!
Beide meine Länder, nein, alle drei werden von Korruption beeinflusst.
Mein Beispiel? Die Polizeigewalt der USA.
Ich war schon mehrmals da,
aber ich hatte nie bedacht, dass ich hätte enden können wie Trevor Martin.
“People this needs to stop! We haven’t stopped Racism. We’re just startin´!”

Aber jetzt mal zurück nach Deutschland,‘
zurück zu dem, was ich erlebte,
was sich aber dutzendmal mir widerstrebte.

Ich muss, so wie jeder hier, gestehen,
Rassismus gibt´s nicht nur von einem Täter, man muss alle sehen.

Fun Fact: Ich liebe kein Fried Chicken und keinen Kolben Mais,
aber in bestimmten Kreisen sagt man mir:
“Nicht wahr! Ich dachte, du liebst den Scheiß”

“I guess”, was ich sagen will:
“Fuck Racism and please don’t ever tell me to chill!”

von Olivia Platz Q1

 

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