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Stolperstein für ehemalige jüdische Schülerin an der KAS verlegt

IMG_1714Am Mittwoch, den 21.10.2015, ist um 9 Uhr vor dem Hauptgebäude der Kaiserin-Augusta-Schule am Georgsplatz ein Stolperstein für die jüdische KAS-Schülerin Gisela Herz (1925-1942) verlegt worden. Auf das Schicksal dieses Mädchens war die ehemalige Schülerin Sarah Streim aus meinem Leistungskurs Geschichte (2013-15), die in diesem Jahr an der KAS ihr Abitur gemacht hat, im Zuge von Recherchen für ihre Facharbeit über „Stolpersteine“ gestoßen. Im Schularchiv konnte sie im vergangenen Jahr Einträge aus alten Klassenbüchern und Karteien aus den 1930er Jahren einsehen. Diesen war zu entnehmen, dass Gisela Herz jüdischer Religion war und die KAS von 1935 bis 1938 besuchte. Bei weiteren Recherchen im Online-Gedenkbuch fand Sarah Streim auch den Deportationsort von Gisela Herz. Im Gegensatz zu anderen jüdischen Schülerinnen der KAS, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind (wie z.B Anneliese Gottschalk-Haubrich, Stieftocher des Kölner Juristen und Kunstsammlers Josef Haubrich, oder Lilli Jahn, für die Stolpersteine an ihren ehemaligen Wohnhäusern verlegt wurden), hatte Gisela Herz bislang noch keinen Stolperstein, so dass sich Sarah Streim auch über ihre Schulzeit hinaus für die Verlegung von zwei Stolpersteinen für dieses Mädchen engagiert hat: einen Stolperstein an ihrem ehemaligen Wohnort in der Alteburger Str. 334, der am Mittwoch um 11 Uhr verlegt wurde, und einen weiteren am Georgsplatz an ihrem früheren Lernort, der Kaiserin-Augusta-Schule (auch wenn es sich hierbei nicht um dasselbe Schulgebäude handelt).IMG_1697

Gisela Herz wurde am 06.10.1925 in Köln geboren. Sie war das einzige Kind des Kaufmannes Hermann Herz (geb. 1896 in Köln) und Ellen Herz (geb. Leipziger, 20.05.1903 in Köln). Hermann Herz war zusammen mit seinem Vater Hugo Herz Eigentümer der Firma Merfeld & Herz, „Fabrik-Großlager und Ausfuhr in Spitzen und Modewaren“ (Grevens Adressbuch von 1927). Auch Ellen Herz stammt aus einer Kaufmannsfamilie, ihr Vater war Fabrikant und Mitinhaber der Firma Leipziger & Co. Feldbahn-Lokomotiven. Die Familie wohnte in verschiedenen Wohnungen und Häusern in Marienburg/Bayenthal: am Ubierring, in der Eugen-Langen-Straße 22, in der Marienburger Straße 72 und Alteburger Straße 334. Die Wohnung Alteburger Straße war der letzte frei gewählte Wohnort der Familie, denn 1941/42 musste die Familie zwangsweise in einem sogenannten „Judenhaus“ in der St.-Apern-Straße 29-31 wohnen. Am 20.07.1942 wurde die Familie schließlich nach Minsk deportiert und vermutlich wenige Tage später im Vernichtungslager Maly Trostenec ermordet.

IMG_2094Die Verlegung des Stolpersteins am Mittwochmorgen wurde von Mitarbeitern des Tiefbauamtes sowie von dem Künstler Gunter Demnig, dem Erfinder und Hersteller der Stolpersteine, durchgeführt. Beigewohnt haben der ebenso erinnerungspolitisch wie künstlerisch berührenden Aktion der Geschichts-Leistungskurs 12 von Herrn Selle, der Geschichts-Grundkurs 11 von Herrn Dr. Wirtz, die ehemalige Schülerin Sarah Streim, Frau Matysiak, Frau Dr. Rothstein, ein Vertreter des NS-Dokumentationszentrums sowie weitere Mitarbeiter/innen von Herrn Demnig. Sarah Streim berichtete, wie sie durch ihre Facharbeit über Stolpersteine auf das Schicksal von Gisela Herz aufmerksam geworden war. Gunter Demnig wies abschließend darauf hin, dass inzwischen 55.000 Stolpersteine in über 20 Ländern verlegt worden seien, und machte deutlich, dass jeder einzelne der Stolpersteine auf eine individuelle Geschichte hinweist, die dadurch zumindest ein Stück weit vor dem völligen Vergessen bewahrt wird.

Gerade in diesen Tagen, in denen allzu viele Menschen ihren Hass auf alles „Fremde“ lautstark artikulieren, ist es besonders wichtig, daran zu erinnern, wohin solcher Hass in Deutschland vor nicht einmal 80 Jahren schon einmal geführt hat.

Text: Dr. Markus Wirtz

 

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