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Unsere ehemalige Schülerin Lilli Jahn (1900-1944)

Lilli Jahn (1900-1944) machte vor 100 Jahren an der KAS ihr Abitur. Sie studierte Medizin, bekam fünf Kinder und lebte in der Nähe von Frankfurt bis sie 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde.

Am 2. Mai 2019 besuchten Schüler und Lehrer der Israel-AG gemeinsam mit dem stellvertretenden Schulleiter Herrn Magdeburg eine Veranstaltung in der Kölner Universität. Der Enkel von Lilli Jahn, Dr. Martin Doerry, las aus seinem Buch „Mein verwundetes Herz – das Leben der Lilli Jahn“ vor. Den Schülern war das Buch gut bekannt, weil sie es gemeinsam mit Frau Schweiß und Herrn Selle im Rahmen der Israel-AG behandelt haben.

1925 lernte Lilli Jahn den evangelischen Arzt Ernst Jahn kennen, den sie im folgenden Jahr heiratete. So eine Ehe zwischen Partnern aus verschiedenen religiösen Hintergründen nannte man eine „Mischehe“.

Gemeinsam zogen sie nach Immenhausen (Hessen), wo sie eine Arztpraxis eröffneten. Sie bekamen fünf Kinder, von welchen die älteste Tochter, Ilse, die Mutter von Herrn Dr. Doerry ist. Zu Beginn des Nationalsozialismus verließen Lillis Mutter und ihre Schwestern Deutschland und zogen nach England. Aufgrund der hohen „Reichsfluchtsteuern“ verloren sie ihr ganzes Vermögen.

Lilli und Ernst Jahn, die in Hessen blieben, wurden zunehmend vom Umfeld isoliert. Sie durften nicht mehr als Ärzte arbeiten und Lilli muss ihren Doktortitel ablegen. Ernst Jahn wurde Lilli untreu, bekam ein weiteres Kind und heiratete schließlich seine zweite Frau, Rita Schmidt. Für Lilli waren diese Zeiten dadurch geprägt, dass sie „sehr viel Hartes und Bitteres“ erlebte, wie sie es in einem ihrer vielen Briefe ausdrückte.

Ihr Mann konvertierte zum Katholizismus und ging sonntags gemeinsam mit seiner Frau Rita in die Messe. Lilli Jahn wurde denunziert, weil sie als Jüdin wieder als Ärztin arbeitete und kam ins Arbeitslager Breitenau. Anfangs schickten ihr die Kinder Briefe und Essen. Die Mutter ließ kein schlechtes Wort über den Vater ihrer Kinder fallen. Dieser schien aber trotz mehrfacher Aufforderung sich nicht bei der Gestapo für ihre Freilassung eingesetzt zu haben. Eigentlich wäre Lilli durch die Mischehe geschützt gewesen. Die Lage verschärft sich in den nächsten Monaten und Lilli wurde schließlich im Frühjahr 1944 nach Auschwitz abtransportiert, wo sie im Juni getötet wurde.

Die Familiengeschichte, die erst richtig 1998 herauskam, weil bis dahin ein Bruder von Lilli viele Briefe unter Verschluss hielt, belastet die Familie bis heute.

Fünfzig Jahre später reden die Kinder zum ersten Mal über die dramatische Familiengeschichte. Mit dem Buch des Enkels brach bei Lillis Kindern vieles wieder auf. Zwei ihrer Töchter, die einer Veröffentlichung erst widersprachen, ließen sich dadurch überzeugen, dass die „aufklärende Wirkung wichtiger als private Bedenken“ sei.

Die Erinnerung an Lilli Jahn soll Erinnerung und „Denkmal“ sein Die Rolle von Ernst Jahn beschäftigte viele der Zuhörer nach der Lesung. Eine funktionierende Ehe hätte Lilli vor ihrem Schicksal bewahrt. So aber verliebte ihr Mann sich in eine andere Frau, suchte vielleicht auch seinen Vorteil und griff auf die Formel „Es ist alles geschehen, was geschehen konnte“ zurück, um sich nicht weiter der Frage auszusetzen, ob er nicht mehr hätte tun können.

A.Heyen

 

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